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Begeisterung hält sich (noch) in Grenzen

Eigentlich ist alles angerichtet für das weltgrößte Sportereignis. Doch bei den Londonern ist die Vorfreude auf die Olympischen Sommerspiele 100 Tage vor der Eröffnung am 27. Juli den Beschwerden gewichen. Verkehrschaos, die Angst vor Anschlägen und Geldverschwendung - das sind die großen Themen, die den Einwohnern der Acht-Millionen-Metropole Sorgen bereiten.

Die Taxifahrer klagen über zu wenig Arbeit, die U-Bahnfahrer über zuviel. Die meisten Pubs müssen auch während der Spiele um 23.00 Uhr schließen, weil die Polizei Angst vor Kriminellen hat. Anrainer des Hyde Parks klagen sogar vor Gericht, weil es beim Public Viewing etwas lauter werden könnte. „Es ist schwer, jemanden zu finden, der Olympia gut findet“, meinte Tim Reder (55) aus dem östlichen Stadtteil Wanstead unweit des Olympiaparks in Stratford.

Luftaufnahme von London mit dem OlymiastadonLondon 2012In 100 Tagen werden die XXX. Olympischen Spiele in London eröffnet

Ausgangslage nicht so schlecht

Dabei hat London verglichen mit anderen Olympiastädten einen guten Job gemacht. Alle Sportstätten sind rechtzeitig fertig, und es gibt eine vernünftige Nachnutzungsstrategie. Dazu erhält ein einst heruntergekommener Stadtteil ein neues Gesicht. Doch so sehr sich die Zeitungen und vor allem der übertragende TV-Sender BBC mit Werbebotschaften auch bemühten: Olympiastimmung will noch nicht so recht aufkommen.

„Wir leben in Europa in den vergangenen Jahren in harten Zeiten. Das drückt auch etwas auf die Vorfreude“, gestand Jonathan Edwards, Dreisprung-Olympiasieger von Sydney 2000 und für die Spiele 2012 Athletenrepräsentant des Organisationskomitees (LOCOG). Edwards gab sich aber zuversichtlich: „Wenn die Spiele losgehen, wird das Land dahinterstehen - auf eine fantastische Art und Weise.“

Dem Verkehrschaos entkommen

Einer Umfrage zufolge werden zehn der über 60 Millionen Briten gar nicht im Land sein, wenn das olympische Feuer brennt. Ein Großteil davon gab an, bewusst vor Olympia zu fliehen. Vor allem vor einem Verkehrschaos in London haben viele Angst. Die Londoner U-Bahn ist die älteste der Welt. Viele Züge und Bahnsteige sind nicht mehr zeitgemäß, obwohl in den vergangenen Jahren 6,5 Milliarden Pfund (7,9 Mrd. Euro) in das Netz gepumpt worden sind.

Taxifahrer stehen in London im StauReuters/Toby MelvilleDie Taxifahrer fühlen sich benachteiligt

Die Jubilee-Line, die Hauptlinie von der Innenstadt zum Olympiapark, erhielt ein neues Signalsystem. Seitdem fällt sie regelmäßig aus. Dabei muss die „Tube“ in London ob der fehlenden mehrspurigen Straßen im Zentrum eine Hauptlast des Verkehrsaufkommens tragen. 30 Meilen an Fahrspuren sind zudem für Mitglieder der olympischen Familie reserviert. Das hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) durchgesetzt - zum Missfallen der Taxifahrer.

40 Prozent der 25.000 „Cabbies“ haben bereits angekündigt, bei Olympia den Dienst zu verweigern, falls ihnen nicht erlaubt wird, die Nachtzuschläge auch tagsüber verlangen zu dürfen - als Ausgleich für verloren gegangene Fahrten im Stau. Die Organisatoren versuchen auch hier Optimismus zu versprühen. „Wir sind zuversichtlich, dass das System während der Spiele belastbar ist“, sagte Mark Evers, der bei „Transport for London“ für Olympia zuständig ist.

Angst vor Terroranschlag

Doch selbst wenn sich der Zuschauer erfolgreich von seinem Hotel zum Stadion gekämpft hat, das typisch englische Schlangestehen dürfte ihm auch dort nicht erspart werden. Die Olympiamacher haben große Angst vor Terroranschlägen. Die Erinnerungen an den Tag nach dem Olympiazuschlag am 6. Juli 2005 leben, als Terroristen in der Londoner U-Bahn und in Bussen 52 Menschen getötet hatten.

Schon zweimal ist es Polizisten bei Tests gelungen, Sprengstoff an den Kontrollen vorbei auf Olympiabaustellen zu schmuggeln. Scotland Yard beteuert zwar, dass man „keine Sicherheitsspiele“ erleben werde. Den Londonern fehlt allerdings der Glaube. Ein Kriegsschiff machte auf der Themse fest, Eurofighter stehen einsatzbereit auf einem Fliegerhorst nahe London, und Boden-Luft-Raketen werden startklar gemacht. 23.000 Sicherheitsleute sind im Einsatz, darunter mehr als 13.000 Soldaten.

Die Sicherheit hat auch die Kosten noch weiter nach oben getrieben. Obwohl Regierung und Organisatoren weiter von 9,3 Milliarden Pfund (11,2 Mrd. Euro) an Gesamtkosten ausgehen, glauben Kritiker, dass Olympia für das von der Finanzkrise gebeutelte Großbritannien deutlich teurer wird. Die Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses, die Labour-Abgeordnete Margaret Hodge, geht inzwischen von Gesamtkosten in Höhe von 11 Milliarden Pfund (13,37 Mrd. Euro) für den Steuerzahler aus.

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Publiziert am 18.04.2012